Fragen

Pangono pangono (little by little) geht meine Zeit hier dem Ende entgegen und bald sitze ich im Flieger zurück nach Deutschland.
Ich weiß, dass sich viele von euch wahrscheinlich immer noch keinen Eindruck von dem Leben in Sambia machen können, denn egal wie viele Bilder und Texte ich online stelle, wird es sicher immer etwas abstrakt bleiben. Selbst ich fange erst langsam an zu realisieren, dass ich überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent bin. Falls ihr allerdings Fragen habt, die ich bisher in meinem Blog noch nicht beantwortet habe, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr sie jetzt stellt, denn dann kann ich bei Bedarf vor Ort recherchieren und mich mit den Leuten unterhalten.
Vor einigen Wochen hat mir eine Freundin diese Fragen gestellt, welche ich nun versuche zu beantworten (Sorry, dass es so lange gedauert hat!):

Sind die Hilfsorganisationen in Sambia untereinander verknüpft? Wie gut sind sie organisiert?

Diese Frage ist für mich sehr schwierig zu beantworten, da ich leider keinen Überblick über die gesamte Entwicklungszusammenarbeit in Sambia habe. Ganz allgemein ist allerdings zu sagen, dass sich die Geberländer untereinander abgestimmt haben in welchen Bereichen sie Entwicklungszusammenarbeit leisten. Die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit konzentrieren sich in Sambia auf Wasserversorgung, Dezentralisierung, gute Regierungsführung sowie Entwicklung der Zivilgesellschaft (www.bmz.de). D.h. die Regierungsorganisationen die dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstellt sind, sind hauptsächlich in diesen Bereichen tätig. Die deutschen Nichtregierungsorganisationen arbeiten gezielt in den anderen Bereichen.
Nach einem Gespräch mit einem Entwicklungshelfer habe ich erfahren, dass in Ansätzen eine Koordination verschiedener Organisationen hier in Sambia stattfindet, dies jedoch noch sehr marginal ist und sozusagen in den Kinderschuhen steckt.

Wie ist die Versorgung mit Medikamenten?

Die Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln würde ich als problematisch bezeichnen. Es gibt zwar einige Standardmedikamente wie Paracetamol (hier Panado), sowie verschiedene Medikamente gegen Malaria, Erkältung und Hautausschlag, aber es kommt sehr häufig zu Engpässen, was sich darin wieder spielgelt, das in Malariahochzeiten, manchen Kliniken keine Medikamente gegen Malaria haben oder die Malariatests ausgehen oder man schon mal nach Malawi fahren muss um ein Medikament, dass in Chipata nicht erhältlich ist, zu besorgen. Dass können sich natürlich nur diejenigen mit den nötigen Kleingeld leisten, sodass hier das Sprichwort von Robert Koch: „Wer arm ist stirbt früher“ meiner Meinung nach wie die Faust aufs Auge passt. Die Medikamentenauswahl ist ebenfalls nicht so reichhaltig wie bei uns, d.h. eine große Auswahl hat der Patient nicht. Versorglich bekommt auch erst mal jeder Schmerzmittel, wenn es was anderes nicht gibt. Das musste ich erst gestern wieder feststellen, als sich das Kind meiner Mitarbeiterin im Gesicht verbrannt hat und von der Klinik mit nichts anderem als Paracetamol zurückgekommen ist.

Gibt es Wirkstoffe gegen AIDS?

Wirkstoffe gegen AIDS gibt es. Hat eine Person einen CD4-Zellen Wert unter 200 pro µl Blut werden ihr, so sie in ärztlicher Behandlung ist, ARV (Antiretrovirale)-Medikamente verschrieben. Die heute gängige Therapie ist eine Kombination aus drei verschiedenen Wirkstoffen. In Sambia sind Triomune®, ein in Indien hergestelltes Generikum, welches aus den drei Medikamenten Stavudine, Nevirapine und Lamivudine zusammengesetzt ist, sowie Duovir-N®, ein ebenfalls in Indien hergestelltes Kombinationspräparat die gängigsten ARV’s. Die Medikamente sind seit 1-2 Jahren kostenfrei auf Rezept erhältlich in verschiedenen Krankenhäusern und sogenannten ART-Zentren.
Um verschiedene opportunistische Infektionen, wie z.B. Tuberculose oder Lungenentzündung, zu vermeiden wird HIV positiven Menschen ebenfalls empfohlen Seprtim, auch bekannt als Cotrimoxazole, regelmäßig einzunehmen. Dies ist ebenfalls kostenfrei in den Kliniken erhältlich. Doch auch die Kliniken haben manchmal Probleme die Medikamente zu besorgen. So hat z.B. diese Woche eine Klinik in der Nähe eines Centers von CCD den Antrag gestellt mit Septrim unterstützt zu werden, da ihnen die finanziellen fehlen es zu kaufen.

Wird die Bevölkerung gegen Typhus, Gelbfieber oder Hepatitis geimpft? Gibt es Hilfsorganisationen, welche die Impfstoffe bezahlen?

Für Kinder zwischen null und fünf Jahren wird die sogenannte „Under Five Clinic“ angeboten, in der verschiedene Vorsorgeuntersuchungen angeboten werden (vergleichbar mit unseren U1-U9). Unter anderem werden hier die Kinder auch gegen Polio, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Hib ((Haemophilius influenza b), Meningitis, Pneumonie und Masern geimpft.
Schwangere werden ebenfalls kostenfrei gegen Tetanus geimpft. Ansonsten sind Impfungen nicht kostenfrei erhältlich was sich dementsprechend in der Inanspruchnahme wieder spiegelt.
Hilfsorganisationen, welche Impfstoffe bezahlen sind mir nicht bekannt.

Sorry, dass ich nicht alles beantworten konnte, dennoch hoffe ich etwas Licht ins Dunkle gebracht zu haben.

Viele Grüße!

Kristin

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