Malawi

Hallo Ihr Lieben!

Wenn auch etwas verspätet möchte ich euch hiermit allen ein frohes neues Jahr wünschen! Ich hoffe ihr hattet einen schönen Silvesterabend und einen nicht allzu großen Kater am darauffolgenden Morgen ;-)! Mein Abend war sehr schön. Wir hatten 3 begabte Gitarrenspieler unter uns, die zum musikalischen Teil der Silvesternacht beigetragen haben, jeder hat etwas leckeres zu Essen mitgebracht und der Abwasch danach hat sich auch in Grenzen gehalten *froi*. Im Gegensatz zu meinem letzten Silvester musste ich auch keinen Raketen u.a. Feuerwerkskörpern ausweichen, was ich als sehr angenehm empfunden habe. In der Tat habe ich nicht eine Rakete am Himmel gesehen, dafür war der Sternenhimmel umso schöner…
Von Dienstag bis Sonntag letzter Woche hatte ich die Möglichkeit einen Ausflug nach Malawi zu machen, dem kleinen Nachbarland Sambias. Von Chipata sind es nur knapp 20 Minuten bis zur Grenze, sodass ein Besuch dieses Landes sowieso auf meiner To Do Liste stand. Ich war mit Valter und Stefano unterwegs, zwei Italienern, die einen Monat in Sambia zu Besuch waren, und mich gefragt haben ob ich nicht Lust hätte mit ihnen zusammen an den Malawisee zu reisen. Gesagt, getan und so haben wir unsere Reise am Dienstag in den frühen Morgenstunden gestartet. Nach gut 2.5 Stunden waren wir in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, in der wir uns erst mal mit malawischen Kwacha eingedeckt bevor wir weiter in den Süden des Landes gefahren sind. Unser Weg führte uns zunächst nach Balaka, um einige Italiener in einer Mission der Monfort Brüder (römisch-katholische Kirche) zu besuchen. An die Mission ist eine Redaktion und Druckerei angegliedert, in der Schreibwaren hergestellt werden und Zeitschriften produziert werden. Wir haben also eine kleine Führung über das Gelände bekommen und wie schon einige Male zuvor, hatte ich auch hier wieder das Gefühl mich auf einer kleinen Insel zu befinden. Die Architektur und Einrichtung war typisch italienisch, die Gärten gepflegt, alles war pikobello sauber und von der Einfachheit der afrikanischen Lebensweise, die sich nur einen Steinwurf entfernt befindet war nicht die geringste Spur zu erahnen…
Von Balaka sind wir nach Mangochi gefahren, wo wir bis Samstag früh in einer anderen Missionsstation der römisch-katholischen Kirche übernachtet haben. Diese lag die direkt am Malawisee, so dass wir jeden Morgen und Abend die Möglichkeit hatten die Sonne über den See auf- und untergehen zu sehen.
Am Mittwoch sind wir an das Cape Maclear, welches sich im Lake Malawi Nationalpark befindet, gefahren. Dort haben wir eine Bootstour zu einer kleinen Insel im See gemacht, wo wir den Vormittag verbracht haben und schnorcheln und baden gegangen sind sowie Seeadler beobachten konnten.
Am Donnerstag haben wir das Gefängnis in Mangochi besucht, dass von den Monfort Brüdern und einer italienischen NGO unterstützt wird um die Lebensbedingungen der Häftlinge zu verbessern. Was ich dort gesehen habe war trotzdem erschreckend. Auf engsten Raum leben 271 Häftlinge zusammen. Darunter sind 10 Frauen, die sich einen Schlafraum teilen und die anderen 261 männlichen Insassen verteilen sich auf 4 oder 5 weitere Räume. Neben einem kleinen Außengelände gibt es einen ca. 80m² großen betonierten Innenhof ohne auch nur ein bisschen Grün, in dem die Sonne den ganzen Tag scheint und sich die eh schon heißen Temperaturen ins unerträgliche steigern. Was allerdings noch schlimmer als die Temperaturen scheint, ist der Gestank, der mich stark an Erbrochenes erinnert. Die sanitären Anlagen sind unzureichend, Seife gibt es keine und die Lebensmittelversorgung ist nicht nur zu wenig, sondern auch ohne jegliche Vitamine und Nährstoffe. Prinzipiell besteht sie aus einer Portion Nshima pro Tag. Rund 50 der Insassen werden im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet (von anderen Insassen) und einige andere werden mit anderen Tätigkeiten beschäftigt. Ich weiß nicht, was die Leute verbrochen haben, die sich in dem Gefängnis befinden, aber ich denke niemand hat verdient so zu leben…
Freitag sind wir nach Zomba und das Zomba Plateau gefahren. Zomba war bis 1975 die Landeshauptstadt und bis 1994 der Parlamentssitz Malawis. In Zomba selbst haben wir ein Mädcheninternat besucht, welches von einem kleinen Ort im Norden Italiens finanziell unterstützt wird. Dort werden einige der besten Schülerinnen des Landes ab der 5. Klasse unterrichtet. Viele der Absolventinnen haben danach die Möglichkeit eine Universität zu besuchen. Wie ihr auf dem Foto unten sehen könnt, tragen die Schüler eine Schuluniform und haben alle kurze Haare. Das Tragen einer Schuluniform ist in allen Schulen Sambias und Malawis obligatorisch. Die kurzen Haare nicht. Auf Nachfrage meinte die Direktorin, dass die Schülerinnen an dieser Schule dazu verpflichtet sind ihre Haare kurz zu tragen um nicht zu viel Zeit vor dem Spiegel zu verschwenden. Ein anderer Grund ist sicher aber auch die Hygiene.
Das Zomba Plateau liegt auf ca. 1500m Höhe und ist gekennzeichnet durch kühle Bergwälder und klare Luft. Die Landschaft wirkt auf dem Plateau so gar nicht afrikanisch. Man findet hauptsächlich Pinien, Zypressen und Zedern, die vor gut 100 Jahren angepflanzt worden sind und die Urwälder zurückgedrängt haben. Schon allein bei der Fahrt auf das Plateau hat meinen einen wunderschönen Blick auf das Umland, dass durch zahlreiche Berge gekennzeichnet ist. Das schöne an Malawi sind genau diese Berge auf der einen Seite und auf der anderen Seite, der See mit seinen schönen Sandstränden.
Der See dient für die einheimische Bevölkerung allerdings nicht nur zum erholen, sondern hauptsächlich zum Waschen (sich selbst und die Wäsche  siehe Foto) und als Nahrungsquelle (Fisch, besonders lecker ist der Chambofisch). Die Gefahr, die der See leider in sich birgt ist die Bilharziose (Schistosomiasis). Bilharziose ist eine Infektionskrankheit durch Pärchenegel (Zerkarien). Bei Kontakt mit Süßwasser schlüpfen die Larven aus den Eiern und befallen bestimmte Arten von Wasserschnecken (diese befinden sich hauptsächlich im bewachsenen Uferbereich), die als Zwischenwirt dienen. Nachdem sich die Zekarien von dem Zwischenwirt gelöst haben schwimmen sie frei im Wasser herum und dringen durch die Haut geeigneter Wirte, wie die es Menschen. Von dort dringen sie zunächst in die Leber und später in die Venengeflechte der Blase und den Darms. Dort entwickeln sie sich zu erwachsenen Würmern und können bis zu 15 Jahre Eier abgeben. Typische Symptome der Infektion sind Fieber, Mattheit Verdauungs- und Blasenbeschwerden sowie Blut im Urin und Stuhl (Weiß 2008). Soviel wie ich mitbekommen habe, erhalten die Schüler in betroffenen Gebieten Malawis sekundär-präventiv regelmäßig Medikamente zur Behandlung der Bilharziose, mit denen die Infektion vollständig heilbar ist.
Am Samstag sind wir dann zurück nach Lilongwe gefahren, in der wir uns noch mit einigen Souvenirs eingedeckt haben. Am Sonntag sind Valter und Stefano von Lilongwe zurück nach Mailand geflogen und ich bin zusammen mit Paolo, unserem Fahrer zurück nach Chipata.
Alles im allem war es ein sehr schöner Trip und ein super Start in das Jahr 2009. Falls ihr irgendwann mal vorhabt nach Afrika zu reisen, kann ich euch dieses Land wirklich empfehlen. Wie auch in Sambia ist es friedlich und die Bevölkerung ist sehr nett.

Liebe Gruesse!

Kristin

P.S.:
Hier noch einige Fakten über Malawi und Sambia im Vergleich (nach Hupe und Vachal 2007) und natuerlich Bilder aus Malawi.

Sambia:

Gesamtfläche: 752614 km²
Bevölkerungsdichte: 13,6 Einwohner pro km²
Nachbarstaaten: Kongo, Tansania, Malawi, Mosambik, Angola, Simbabwe, Botswana, Namibia
Bevölkerung: 11,5 Mio Einwohner
Bevölkerungswachstum: ca. 1,7 % pro Jahr

Malawi:

Gesamtfläche: 118484 km²
Bevölkerungsdichte: 95,5 Einwohner pro km²
Nachbarstaaten: Sambia, Tansania, Mosambik
Bevölkerung: mehr als 13,6 Mio Einwohner
Bevölkerungswachstum: ca. 2,4 % pro Jahr




Unser Boot :-)

Der See - Badewanne, Spuelmaschiene, Durstloescher und Supermarkt zugleich


Fisherman

Unser Mittag

Schuelerinnen der St. Mary's Basic School

Unser Fahrer Paolo

Valter und Stefano

Stefano und ich

Kommentare

  1. Hallo Kristin,
    möchte dich herzlich aus dem kalten Deutschland grüßen. Es freut mich, dass es dir gut geht und du gesund bist. Deine Erzählungen u. Bilder machen Lust auf Urlaub.
    Leider können die meisten Einwohner dieser Länder die Naturschönheiten nicht nutzen, weil sie ständig mit den Kampf ums Überleben beschäftgt sind.Es bleibt nur zu hoffen, dass Regierungen an die Macht kommen, die ans Wohl der Bevölkerung denken und nicht nur an die eigenen Taschen.
    Viele liebe Grüße dein Papa.

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