Ein ganz "normales" Wochenende

Immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, was ich so an meinen Wochenenden treibe oder an den Abenden unter der Woche. Um ehrlich zu sein, nichts Besonderes. Samstag ist meist mein Haushaltstag. Nach dem Aufstehen gehe ich als erstes, so wie jeden Tag, Wasser holen. Meine anfänglichen Schwierigkeiten habe ich überwunden und ich kann den Wassereimer inzwischen auf meinem Kopf tragen. Zwar nicht ohne Hände, aber wenn man bedenkt, dass ich zu Beginn den Eimer kaum hochheben konnte, betrachte ich das mal als einen Fortschritt ;-) Danach putze ich dann meistens alle Zimmer (nein – ich habe keine Freude am Putzen gefunden, aber nach einer Woche ist es hier so staubig, dass mir keine andere Wahl bleibt) und im Anschluss daran wasche ich meine Wäsche. Da ich keine Waschmaschine besitze, dauert das alles etwas länger, aber solange die Sachen wieder sauber werden ist das schon ok. Zudem bin ich froh, wenn ich beschäftigt bin, denn die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung halten sich stark in Grenzen. Mit diesen Dingen bin ich bis ca. 12.00 Uhr beschäftigt und im Anschluss koche ich mir dann etwas zum Mittag. Das Nahrungsangebot ist hier nicht besonders vielfältig, so dass sich meine tägliche Kost meistens auf Tomatensauce mit Zwiebeln und Knoblauch (ab und zu mit Auberginen und Paprika, wenn ich vorher in Chipata war) und dazu gibt’s dann abwechselnd Reis, Kartoffeln oder Nudeln. Leider wurde auch meine anfängliche Erwartung hier auf Unmengen von Bananen zu stoßen recht schnell enttäuscht und bis jetzt habe ich erst 2x die Möglichkeit gehabt diese zu kaufen. Dafür gibt es Unmengen an Mangos, die ich mir von den Bäumen pflücken kann und die ich in ein paar Monaten wahrscheinlich nicht mehr sehen kann…
Nach dem Mittagessen bügele ich dann meine Wäsche. Etwas was ich mir auch erst hier angewöhnt habe, aber aufgrund der „Puzifliegen“ notwendig ist, welche ihre Eier in die noch nasse Wäsche legen und die Maden. Durch die Hitze des Bügeleisens werden diese allerdings abgetötet. Tja und danach versuche ich meine Zeit rumzukriegen mit Lesen oder indem ich spazieren gehe. Ich habe sogar schon angefangen mein Epidemiologie-Skript von der FH durchzugehen!
Am vergangenen Sonntag hatte ich allerdings am Abend unerwarteten Besuch. Bereits den ganzen Nachmittag hatten sieben Mädchen (8-13 Jahre) in meinem Garten gespielt und irgendwann meinten sie, dass sie mir helfen müssen und haben einfach so meinen Garten aufgeräumt (Laub zusammen gerecht etc.). Da ich mich bei Ihnen bedanken wollte habe ich spontan für sie gekocht. Es gab Nudeln mit einer Auberginen-Knoblauch-Erbsen-Ketchup-Sauce. Hört sich nicht wirklich toll an, aber das war alles was ich hatte und wer Kinder kennt weiß, dass Ketchup meist gut ankommt. Darauf habe ich dann einfach mal gesetzt. Sie haben auch alle aufgegessen, aber dass kann auch daran liegen, dass sie Hunger hatten. Zum Nachtisch hatte ich noch schnell ein paar Krapfen (ohne Füllung) gekauft und diese mit Marmelade bestrichen, Ich glaube, dass hat ihnen wirklich geschmeckt.
Am darauf folgenden Abend waren die Kinder allerdings wieder bei mir und haben mir ein Gedicht mit folgendem Inhalt geschenkt:
Hal Sweetheart Kristin
Dear my friend Kristin
How are you by this lovely moment?
I trust you are fine
But me I am fine, I want to be playing mumy
My name is Elizabeth
My name is Nsungen
My name is Chingala
My name is Vallet
My name is Chllekiva
My name is Naomi
My name is Lilian

OUR FRIENDS
Jesus love is very wonderful
Jesus love is very wonderful
Jesus love is very wonderful
Oh wonderful lovely!!!

Am Dienstag haben sie mir dann einen Zettel gebracht in dem sie Sätze auf Englisch und Nyanja geschrieben haben, damit ich die Sprache lerne und am selben Abend waren sie wieder da um mit mir zu spielen.
Tja und gestern haben sie mich noch vor der Schule besucht um mir Reis zu schenken, den sie von ihrem eigenen Geld bezahlt haben. Ich hab mich schrecklich gefühlt! Sie haben so wenig und dann geben sie das auch noch für mich aus. Ich hab den Reis dann dankend abgelehnt und gemeint, dass ich auch ihre Freundin bin, wenn sie mir nichts schenken oder für mich machen und dass ich dann immer noch mit ihnen spiele.
Am Nachmittag desselben Tages hat sich dann ihre Anzahl verdoppelt und ich hab mit ihnen Ball gespielt, den sie aus Papier und Plastiktüten gebastelt haben. Hab ihnen dann beigebracht wie man Brennball spielt. War ganz witzig… 
So wirklich weiß ich allerdings nicht wie ich damit umgehen soll und wie ihr wisst bin ich auch nicht so firm im Umgang mit Kindern.. Außerdem weiß ich nicht was für Erwartungen sie an mich haben und ich möchte ungern falsche Hoffnungen in ihnen wecken, zumal ich ja auch nur einen begrenzten Zeitraum hier bin und meine eigenen Mittel begrenzt sind. Klar – jedem Kind könnte ich helfen, schon allein wenn ich ihnen Kleidung kaufen würde, die nicht zerissen und zerschlissen ist oder in dem ich ihnen Schulmaterial besorgen würde. Aber das ändert ja nichts an den Bedingungen in denen sie leben und irgendwann wird auch diese Kleidung so abgetragen sein, dass sie auseinanderfällt. Am Samstag hatten mich die gleichen Kinder gefragt, ob sie meinen Müll haben können, in der Hoffnung noch etwas Brauchbares darin zu finden.
Die eigene Machtlosigkeit kotzt mich echt an und noch viel mehr diese Ungerechtigkeit, die zwischen den Ländern herrscht. Auf der einen Seite gibt es Reichtum im Überfluss und die Leute sehen zu wie sie sich immer mehr bereichern können, jammern vielleicht, dass sie dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren können und auf der anderen Seite gibt es Menschen, die nicht mal Schuhe haben und Kinder, die sich ihr Spielzeug aus Müll basteln…

Kristin


Die Maedchen beim essen in meinem Wohnzimmer

Kommentare

  1. Hi Kristin,
    ich fand deinen neusten Bericht ja soooo spannend!!!! Ich finde es total klasse, dass du dich so um die Kinder bemühst. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, mit anzusehen, wie arm sie sind und gleichzeitig zu wissen, dass es reiche Länder gibt, wo jeder nur stöhnt und schimpft. Ich zieh echt den Hut vor dir und wünsche dir weiterhin so tolle Erfahrungen! Freu mich auf deine nächsten Berichte!!!!
    GLG Frauke

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  2. Liebe Kristin!

    Was du geschrieben hast ist mir wirklich nah gegangen. Ich kann deine Gefühle gut verstehen... es ist immer schwer, wenn man einer Situation gegenübersteht, an der man gerne etwas ändern würde, aber nicht wirklich ändern kann. Du kannst das Leben dieser Kinder sicher nicht nachhaltig verbessern, aber du bist jetzt in ihrer Nähe, beschäftigst dich mit ihnen und bist offen für sie...das ist schon viel, auch wenn es dir vielleicht nicht so vorkommt. Und überdies hinaus ist dein Aufenthalt und dein Einsatz in Sambia ein Beitrag zur Veränderung und Verbesserung der Lebensumstände dort. Du trittst für eines der wichtigsten Themen, da es eines der größten Probleme in Afrika ist, die HIV- und Aidsprävention ein. Es müsste noch viel mehr solcher Projekte und vorallem noch mehr Menschen geben, die bereit sind dafür einzustehen. Ich finde deinen Einsatz super, mach weiter so!

    Ganz lieben Gruß an dich und einen schönen 1. Advent wünscht dir deine Annette

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  3. Hi Kristin,
    ich weiß es hat lange gedauert bis ich mich auch mal melde, aber glaub mir ich habe dich nicht vergessen.
    Finde deine Einträge sehr beeindruckend und ich bin mir sicher das man die Sachen die du erlebst hier in Deutschland gar nicht richtig nachvollziehen kann. Aber ich kann dich gut verstehen das deine Situation dort nicht einfach ist. Aber es hört sich trotzdem so an als ob du dort unten einigermaßen zurecht kommst. Die Sache mit dem Wassereimer finde ich sehr beeindruckend.
    Habe dir einen Brief an deine Adresse geschickt, ich hoffe der kommt irgendwann an.
    Ganz liebe Grüße aus deiner alten WG. Tanja

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  4. Hi Kristina,
    wünsche Dir alles Liebe zu deinem Geburtstag.
    Hoffe du kannst auch in Sambia ein wenig feiern. Halt mal auf eine neue Art und Weise.
    Hoffe dir geht es gut.
    Ganz liebe Grüße und alles Gute wünscht dir Tanja

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