Von Nord nach Süd
Halli Hallo! Nach langer Zeit hier mal wieder eine Meldung von Down Under. Ich hoffe es geht euch allen gut!
Ende Juli habe ich es tatsächlich geschafft Westaustralien
zu verlassen und die Grenze zum Northern Territory zu überschreiten. Wie auch
zu Hause haben die einzelnen Bundesstaaten hier in Australien ihre Eigenheiten
und die erste, die mir sofort aufgefallen ist, war die
Geschwindigkeitsbegrenzung. War das Limit in Westaustralien noch 110 km/h, so
durfte man im Norden des Kontinentes 130 km/h auf dem Highway fahren oder es
gab gar keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Straßen sind zwar auch nicht
breiter als im Westen aber man scheint eben hier etwas mehr easy going zu sein.
Der Highway an sich ähnelt übrigens mehr einer deutschen Landstraße mit dem
Unterschied das man Kilometerlang nichts weiter als Busch sieht und einem nur
selten ein Auto entgegenkommt.
Mein erstes Ziel im Norden war der Kakadu Nationalpark.
Der
Park gilt aufgrund seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt als einer der
schönsten Nationalparks in Australien. Er umfasst ein Gebiet von etwa 19.804
Quadratkilometern und erstreckt sich fast 200 Kilometer von Nord nach Süd und
über 100 Kilometer von Ost nach West. Der Kakadu-Nationalpark wurde wegen
seines herausragenden natürlichen und kulturellen Werts in die Liste der UNESCO sowohl als Weltnaturerbe als auch als Weltkulturerbe aufgenommen. Der Park enthält eine der schönsten und umfangreichsten
Sammlungen von Felsmalereien der Welt. Im Park befinden sich die
verschiedensten Landschaften, von rauen Sandsteinflanken des Hochplateaus über
weitläufige Waldgebiete bis zu ausgedehnten Feuchtgebieten.
Der Park ist eine
Kulturlandschaft, der nach dem Glauben der Ureinwohner deren spirituelle Vorfahren in der
Schöpfungszeit („Creation Era“) Gestalt verliehen: Sie durchwanderten das Land
und schufen auf ihrer Reise die Landschaftsformen, Pflanzen, Tiere und
Bininj/Mungguy (Ureinwohner). Sie lehrten die Bininj/Mungguy, wie sie leben und
wie sie das Land pflegen sollten. Der Park wird jetzt von seinen traditionellen
Eigentümern, den Aborigines, und den Mitarbeitern von „Parks Australia“
gemeinschaftlich verwaltet (Wikipedia).
Meine Zeit im Nationalpark, habe ich
mit Schwimmen in Wasserfällen, Wanderungen, Bootstouren und kulturellen Aktivitäten verbracht. Die vom Parkmanagement angebotenen Aktivitäten haben es mir ermöglicht den Kakadu Nationalpark besser zu
verstehen. U.a. habe ich auch an einer Malstunde teilgenommen, in der ich mit
einem selbstgebastelten Pinsel aus „Paperbark“ und gemixten Farben aus der Erde
und dem Gestein, ein kleines Bild im Stile der Ureinwohner, gemalt habe (siehe
unten). Na könnt ihr erkennen was es ist? J
Im Gegensatz zu den anderen Nationalparks, die ich bis dahin besucht hatte, habe
ich im Kakadu Nationalpark wesentlich mehr Tiere zu Gesicht bekommen.
Insbesondere Vögel in den Sumpfgebieten sowie zahlreiche Salzwasserkrokodile,
denen man lieber nicht zu Nahe kommt.
Kookaburra
Mein nächstes Reiseziel war Darwin, Haupstadt des Northern
Territory. Mit 121.000 Einwohnern ist Darwin, die nördlichste Großstadt des
Landes/Kontinents und gilt zudem als Tor nach Asien. Mir hat es dort besonders
gut gefallen, da Darwin für mich nach langer Zeit Zivilisation und westliche
Musik und Kultur bedeutet hat. Während meiner kurzen Zeit in Darwin, habe ich 2
Konzerte sowie einen Nachtmarkt besucht und mir eine öffentliche Debatte über die
Islamisierung von Indonesien angehört. Zudem konnte ich mal wieder etwas skateboarden,
da es tatsächlich nicht nur Sandpisten gibt. Das Wetter war wie auch in den
Wochen zuvor sehr warm und das ein oder andere Eis wurde geschlemmt J
Da die Stadt wegen all ihrer Verführungen jedoch viel
kostspieliger als das Outback ist und ich aufgrund der Routinedurchsicht vom
Auto ein bisschen mehr Geld ausgegeben habe als sonst, hieß es nach 4 Tagen
weiterzuziehen und den Litchfield Nationalpark ca. 200 km südlich von Darwin zu
entdecken. Dieser hat insbesondere durch seine zahlreichen Wasserfälle und
Bademöglichkeiten begeistert. Zu der Zeit meines Aufenthalts in dieser Gegend
wurde in Australien gerade ein Zensus durchgeführt, an dem jeder Bürger/jede
Bürgerin teilnehmen musste (wenn man keine Strafgebühr bezahlen möchte). Daher
fand man sogar Fragebögen auf den Zeltplätzen rumflattern mit der Notiz, diese
ausgefüllt unter einem Stein zu hinterlassen. Verrückt!
Vom Litchfield Nationalpark ging es für mich weiter in den
Nitmiluk Nationalpark, in dem mir insbesondere die Gegend um die Edith Falls gefallen
hat, so dass ich meinen Aufenthalt dort
um eine Nacht verlängert habe. Und wie es eben so ist, lernt man in Australien
schnell nette Menschen kennen und ich wurde zum Abendessen mit Pasta und Fisch
und einer interessanten Unterhaltung eingeladen J
Von dort ging es dann für mich 1200 km in den Süden nach
Alice Springs. Auch dort bin ich eine Nacht länger geblieben als geplant. Nicht
unbedingt weil ich es so schön dort fand, aber das Bett im Hostel war sooo
super mega gemütlich, dass ich einfach noch eine Nacht darin schlafen wollte.
Wenn man die meiste Zeit zeltet oder im Auto schläft weiß man eine gute
Matratze einfach zu schätzen. Doch ich habe nicht nur geschlafen, sondern auch eine sehr interessante Fotoausstellung
von Belinda Mason (Unfinished Business) besucht, die
das Leben und insbesondere die Herausforderungen von Aborgines, die mit einer
Behinderung in Australien leben, darstellt.
Die Ausstellung besteht aus 30 holographischen 3D-Projektionen mit
Hintergrundbeleuchtung. Dabei wird nicht nur die Behinderung thematisiert,
sondern auch was es bedeutet Aborigines in Australien zu sein und welche
Identitätskrisen, jene z.T. durchgehen, die „mixed“ oder „coloured“ sind (d.h.
eines der Elternteile ist Aborigines und das andere ist weiß). Wenn man vor den
Bildern steht, hat man das Gefühl, dass man direkt von der fotografierten
Person angeschaut wird und diese tatsächlich im Raum ist. Die Hintergrundinformationen zu den Bildern und damit den Leben der Personen ermöglichen es in eine andere Welt einzutreten und sich ein bisschen in das Leben der Fotografierten einzufühlen. Sehr emotional und
berührend! Eine der besten Ausstellungen, die ich seit langem gesehen habe.
Devils Marbles (Des Teufels Murmeln) auf dem Weg nach Alice Springs
Von Alice Springs bin ich ca. 500 km weiter südlich zum
berühmt berüchtigten Uluru (Ayers Rock) und Kata Tjuta (Olgas) in die Mitte der
Wüste gefahren. Ich denke ich kann sagen, dass das tatsächlich das Highlight
meines bisherigen Australienaufenthaltes war. Dazu haben nicht nur die massiven
und farb-intensiven Felsformationen von Uluru und Kata Tjuta beigetragen,
sondern auch die Atmosphäre, die diese Stätte, trotz all der Touristen umgeben
hat und die Farben all der Pflanzen, die die Wüste erblühen ließen.
In den Wochen und Monaten vor meiner Ankunft hat es sehr viel geregnet und die
Wildblumen haben den trockenen Boden wie ein Teppich bedeckt. Intensive Farben
von blau über rot, gelb, pink und natürlich das satte grün der Blätter von den Bäumen
und Sträuchern haben diesen Ort für mich unvergesslich gemacht.
Uluru
Kata Tjuta
Goanna
Zudem habe ich
mir das Field of Light angeschaut –
eine Lichtinstallation von dem Briten Bruce Munro, mit insgesamt 50.000
Glühlampen, die ihre Farbe alle paar Sekunden ändern und die Wüste im Dunkeln
erleuchtet. Das war schon was besonderes. Da meine Kamera nicht so gut ist,
schaut euch doch mal die Fotos hier an: https://www.google.com.au/search?q=field+of+light+uluru&espv=2&biw=1280&bih=800&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwjipKn6ycfPAhWFGJQKHeBuDiIQsAQIWw&dpr=1
Obwohl die Tage in der Wüste mit ca. 23°C relativ warm
waren, sanken die Temperaturen auf bis zu 4 °C in der Nacht herunter. Das
tropische Klima aus dem Norden ist also zu einem Ende gekommen. Und da ich eine
absolute Frostbeule bin, habe ich meinen Schlafplatz vom Zelt ins Auto verlegt,
meine 3 Decken ausgepackt und mir zudem noch eine Wärmflasche zugelegt J
Nächster Stop war für mich der Kings Canyon, ca. 30 km
Nord-Östlich. Hier habe ich eine 33km Wanderung am Rande der Schlucht und zu
einer Quelle weiter südlich gemacht.
Einen Tag später habe ich dann die Grenze
zu Südaustralien überquert und somit das für mich 3. Bundesland Australiens betreten.
Nach 3 Tagen Fahrt habe ich Adelaide, die Hauptstadt Südaustraliens erreicht,
wo ich bei der Mutter eines Freundes untergekommen bin.
Fahrt durch die Wüste

Von Nord nach Süden - einmal quer durch Australien.
Einzig interessanter Stop
auf dem Weg nach Adelaide war Coober Peddy, eine Minenstadt, wo sich das Leben hauptsächlich
unter der Erde abspielt. D.h. nicht nur die Arbeit sondern tatsächlich auch
Wohnungen und Geschäfte.
Coober Peddy
Opal ist das Mineral was Coober Peddy bekannt gemacht
hat und mir wurde sogleich mitgeteilt dass es doch eine gute Einnahmequelle für
mich wäre, wenn ich den Stein in Coober Peddy für wenig Geld kaufe und in
Deutschland dann für das Drei- bis Vierfache oder mehr wieder verkaufe. Was
meint ihr – sollte ich die Branche wechseln? J
Viele Grüße und bis zum nächsten Mal!
Kristin







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