R.I.P.
Es ist ein Samstag Morgen an dem ich diesen Eintrag verfasse und in der Tat einer der wenigen kostbaren Momente, die ich zu Hause verbringen kann und nicht quer durch die Suedprovinz toure.
Zwischen dem ganzen Hin- und Herfahren ist in den letzten Wochen eine ganze Menge passiert, von dem ich euch in dieser Email ein wenig erzaehlen moechte.
Vor genau einem Monat ist mein Nachtwaechter Steve (37) gestorben. Leider haben mich die Umstaende seinen Todes nicht ganz unberuehrt gelassen. An einem Dienstag hat er sich krank gemeldet. 3 Tage spaeter, am Freitag ist er gestorben. Als ich an diesem Tag von einer Dienstreise zurueckgekehrt bin hat mich mein Tageswaechter Clever informiert, dass es Steve ganz und gar nicht gut geht, so dass ich beschlossen habe, zu seinem Haus zu fahren und ihm gegebenenfalls zur Behandlung in eine Privatklinik in Mazabuka bringe. Bei ihm angekommen, habe ich ihn im Tuerrahmen sitzen vorgefunden, eingefallenes Gesicht und sehr sehr schwach. Ich habe mich wirklich erschrocken und es stand fuer mich ausser Frage ihn nicht zu besagter Klinik zu bringen. Er hat dem noch zugestimmt, sich in Begleitiung seiner aeltesten Tochter und Clever in mein Auto gesetzt und hat nach ca. 1 Minute im Auto einen Anfall (jetzt wuerde ich sagen, dass es wohl ein Herzinfarkt war) bekommen. Ich weiss nicht ob er in den folgenden 5 Minuten in denen ich mit 100 durch den Compund und die Stadt gerasst bin gestorben ist oder in der Klinik. Als sie ihn auf die Trage gelegt haben, waren seine Augen noch geoeffnet. Als ich 10 Minuten spaeter in den Notfallraum gerufen worden bin, war er tot. Das Gesicht als er besagten Anfall bekommen hat und die Stimme seiner besorgten Tochter, in dessen Armen er lag, werde ich wohl nicht vergessen. Dass was mich an der Geschichte so wuetend gemacht hat, waren die folgenden Dinge:
• Er ist in die Klinik (Klinik ist nicht als solches zu verstehen wie bei uns, sondern eher als ein Zentrum wo besten Falls eine Krankenschwester ist) in seiner Nachbarschaft gegangen und hat dort aus welchen Gruenden auch immer Antibiotikum erhalten und einen Vitamin B-Komplex. Wenn man sich sein Krankheitsbild anschaut und wie ich von meinen Medizin-Freunden (nochmal Danke!) erfahren habe, war das absolut nicht die richtige Behandlung. Aber wenn man schon keine Ahnung hat, kann man wenigstens eine Empfehlung aussprechen zum Krankenhaus zu gehen, aber nichts wurde gemacht. In Deutschland wuerden die Angehoerigen vor Gericht gehen, hier wird es hingenommen. Zum grossten Teil auch weil nicht verstanden wird, was passiert ist. Hier sagt man aber auch, dass es Gott so gewollt hat. Das gibt sicherlich einen gewissen Trost, aber man kann nicht alles auf Gott schieben und mit ihm entschuldigen.
• In der Privatklinik haben sie ihn nicht mal versucht zu reanimieren. Nicht das sie die Maschinen in den Notfallraum gehabt haetten (da waren 2 Liegen), aber man kann ja auch manuell was machen, aber das waere natuerlich zu viel verlangt. (In gleiche Klinik hat mein Kollege seinen Nachtwaechter eine Woche spaeter gebracht, da er von einer Schlange gebissen worden ist. Da haben sie gesagt, dass sie keine Privatpatienten Nachts aufnehmen. Der waere beinahe zusammengebrochen, aber was ist schon ein Menschenleben?)
Danach ist folgendes passiert: Ich bin zu mir nach Hause gefahren, habe ein grosses Betttuch geholt, in dem der Verstorbende spaeter eingewickelt worden ist, bin zu seinem Haus gefahren und habe den Ausweis (zusammen mit der Tochter und Schwaegerin, die plotzlich bei der Klinik war) geholt, zurueck zur Klinik und dort haben wir auf den Leichenwagen der Privatklinik gewartet, dessen Reifen gerade gewechselt worden sind. Eine Stunde spaeter ist der dann auch mal angekommen. Der Bruder und Clever sind dann in den Kofferraum des Leichenwagens eingestiegen und haben aufgepasst, dass nichts auf den Koerper faellt, weil irgendwas locker war in diesem Kofferraum. Die Schwaegerin, hat sich neben den Fahrer gesetzt und ich bin mit der Tochter hinterher gefahren. Es ging erst zur Ploizei wo kurz ein Bericht abgeben worden ist und der Totenschein abgegeben worden ist und dann weiter zum Mazabuka Spital, wo nochmal der Tod bestaetigt werden musste. Auf dem Gelaende ist auch ein Leichenschauhaus, in welches wir dann den Verstorbenen gebracht haben. In Also ich koennte mir vorstellen, dass in Deutschland nicht jeder dazu Zutritt hat. Hier sind wir erstmal alle hineinspaziert und haben den Toten abgelegt. War nicht so schoen darin. Hat mich eher an ein Schlachthaus erinnert...
Die Familie wurde im Anschluss daran nach Hause gefahren, wo sogleich die Trauerfeier begann und alles besprochen worde und ich habe 50kg Maismehl gekauft um es spaeter bei ihnen abzuliefern fuer die Feier. An naechsten Tag habe ich dann noch gemeinsam mit Clever Feuerholz organisiert, mich um den Sarg gekuemmert und der Familie Transportgeld fuer die Beerdigung, welche am Montag stattfinden sollte gegeben. Prinzipiell sollte eine solche Angelegeheit ja eher von Trauer begleitet sein, aber auf dem Grundstueck des Verstorbenen finden sich auch viele Leute ein, die auf ein guten Leichenschmaus warten und sich vieles zu erzaehlen haben.
Am 20. September waren hier Praesidentschaftswahlen, welche zum groessten Teil friedlich verlaufen sind. Nach 20 Jahren ist zum 1. Mal eine neue Partei (PF) an die Macht gekommen und Sambias neuer Praesident heisst Michael Chilufya Sata. Mal sehen was das so wird. Er moechte Wandel in 90 Tagen bringen und hat schon mal gut damit angefangen einige Ministerien zusammenzulegen, die Aufsichtsraete einiger staatlicher Behoerden fristlos zu kuendigen und Guy Scott, ein Weisser, zum Vize Praesidenten zu ernennen. Letzteres sage ich,w eil besorgte Stimmen gesagt haben, dass Sata doch ein Symphatisant Mugabes ist. Nun ja – Sympathisant heisst ja nicht gleich nachahmen...
Am 3. Oktober haben wir hier in Mazabuka den Tag der Deutschen Einheit gefeiert, mit einer „Deutschen Party“. Dort gab es deutsches Essen (Bockwuerste, Sauerkraut, Bautzener Senf, Apfelkuchen mit Vanillesauce und natuerlich ganz viel Bier), deutsche Musik (Die Aerzte, Wir sind Helden, Sportfreunde, Freundeskreis etc.), einen deutschen Dresscode (Schwarz, Rot, Gold) sowei Tischtennis :-) Traditionsgemaess haben wir natuerlich die Veranstaltung mit unserer Hymne gestartet (haben es allerdings nicht durchgehalten uns alles anzuhoeren). Die Frage, die man sich jetzt stellen kann: Sind die etwa zu guter letzt doch patriotisch geworden? Wohl er nicht. Aber da hier nicht so viel los ist, muss man natuerlich kreativ sein um sich die Zeit zu vertreiben. Ausserdem ist eine Freundin von meinem Kollegen Stefan an diesem Tag aus D gekommen und hat die Leckereien mitgebracht. Vielleicht keine Leckereien, wenn man in D ist, aber wenn man fuer lange Zeit sowas nicht gegessen hatt, schmeckt sogar Bockwurst und Sauerkraut aus der Dose richtig gut :D
Um dennoch mal etwas serioes zu werden, habe ich refelktiert was es fuer Gruende fuer mich gibt den Tag der Deutschen Einheit zu feiern, habe ich doch relativ wenig von der ehemaligen DDR und Trennung beider Teile mitbekommen. Die Antwort ist allerdings sehr sehr einfach. In meinen 26 Jahren habe ich super viele nette Leute aus Ost und West kennengelernt, habe gute Freunde aus Niedersachen, Bayern, Baden-Wuertemberg, NRW, Italien, Schweiz ... gefunden, die ich mit der Mauer wohl nie haette kenenlernen koennen und habe die Freiheit dorthin zu reisen, wo mich der Wind hintraegt – Ost, Nord, Sued, West und kann die exotischsten Dinge studieren, bei denen jeder 2. Fragt: „Und was macht man spaeter mal damit?“ ;-)
Viele Gruesse!
Kristin
Etwas zu quadratisch, aber seinen Zweck hat sie erfuellt...
Deutsche Kueche
v.l.n.r. Judy (Kenia), Marco (I), Basil (Zmb), Ayano (Japan), Namo (Zmb), Kiri (Japan), Kristin (D), Lucia (I), Robert (GB), Cosmo (Zmb), Peter (D), Barbara (AU), Victoria (Zmb), Luwendo (Zmb), Christina (D)
Zwischen dem ganzen Hin- und Herfahren ist in den letzten Wochen eine ganze Menge passiert, von dem ich euch in dieser Email ein wenig erzaehlen moechte.
Vor genau einem Monat ist mein Nachtwaechter Steve (37) gestorben. Leider haben mich die Umstaende seinen Todes nicht ganz unberuehrt gelassen. An einem Dienstag hat er sich krank gemeldet. 3 Tage spaeter, am Freitag ist er gestorben. Als ich an diesem Tag von einer Dienstreise zurueckgekehrt bin hat mich mein Tageswaechter Clever informiert, dass es Steve ganz und gar nicht gut geht, so dass ich beschlossen habe, zu seinem Haus zu fahren und ihm gegebenenfalls zur Behandlung in eine Privatklinik in Mazabuka bringe. Bei ihm angekommen, habe ich ihn im Tuerrahmen sitzen vorgefunden, eingefallenes Gesicht und sehr sehr schwach. Ich habe mich wirklich erschrocken und es stand fuer mich ausser Frage ihn nicht zu besagter Klinik zu bringen. Er hat dem noch zugestimmt, sich in Begleitiung seiner aeltesten Tochter und Clever in mein Auto gesetzt und hat nach ca. 1 Minute im Auto einen Anfall (jetzt wuerde ich sagen, dass es wohl ein Herzinfarkt war) bekommen. Ich weiss nicht ob er in den folgenden 5 Minuten in denen ich mit 100 durch den Compund und die Stadt gerasst bin gestorben ist oder in der Klinik. Als sie ihn auf die Trage gelegt haben, waren seine Augen noch geoeffnet. Als ich 10 Minuten spaeter in den Notfallraum gerufen worden bin, war er tot. Das Gesicht als er besagten Anfall bekommen hat und die Stimme seiner besorgten Tochter, in dessen Armen er lag, werde ich wohl nicht vergessen. Dass was mich an der Geschichte so wuetend gemacht hat, waren die folgenden Dinge:
• Er ist in die Klinik (Klinik ist nicht als solches zu verstehen wie bei uns, sondern eher als ein Zentrum wo besten Falls eine Krankenschwester ist) in seiner Nachbarschaft gegangen und hat dort aus welchen Gruenden auch immer Antibiotikum erhalten und einen Vitamin B-Komplex. Wenn man sich sein Krankheitsbild anschaut und wie ich von meinen Medizin-Freunden (nochmal Danke!) erfahren habe, war das absolut nicht die richtige Behandlung. Aber wenn man schon keine Ahnung hat, kann man wenigstens eine Empfehlung aussprechen zum Krankenhaus zu gehen, aber nichts wurde gemacht. In Deutschland wuerden die Angehoerigen vor Gericht gehen, hier wird es hingenommen. Zum grossten Teil auch weil nicht verstanden wird, was passiert ist. Hier sagt man aber auch, dass es Gott so gewollt hat. Das gibt sicherlich einen gewissen Trost, aber man kann nicht alles auf Gott schieben und mit ihm entschuldigen.
• In der Privatklinik haben sie ihn nicht mal versucht zu reanimieren. Nicht das sie die Maschinen in den Notfallraum gehabt haetten (da waren 2 Liegen), aber man kann ja auch manuell was machen, aber das waere natuerlich zu viel verlangt. (In gleiche Klinik hat mein Kollege seinen Nachtwaechter eine Woche spaeter gebracht, da er von einer Schlange gebissen worden ist. Da haben sie gesagt, dass sie keine Privatpatienten Nachts aufnehmen. Der waere beinahe zusammengebrochen, aber was ist schon ein Menschenleben?)
Danach ist folgendes passiert: Ich bin zu mir nach Hause gefahren, habe ein grosses Betttuch geholt, in dem der Verstorbende spaeter eingewickelt worden ist, bin zu seinem Haus gefahren und habe den Ausweis (zusammen mit der Tochter und Schwaegerin, die plotzlich bei der Klinik war) geholt, zurueck zur Klinik und dort haben wir auf den Leichenwagen der Privatklinik gewartet, dessen Reifen gerade gewechselt worden sind. Eine Stunde spaeter ist der dann auch mal angekommen. Der Bruder und Clever sind dann in den Kofferraum des Leichenwagens eingestiegen und haben aufgepasst, dass nichts auf den Koerper faellt, weil irgendwas locker war in diesem Kofferraum. Die Schwaegerin, hat sich neben den Fahrer gesetzt und ich bin mit der Tochter hinterher gefahren. Es ging erst zur Ploizei wo kurz ein Bericht abgeben worden ist und der Totenschein abgegeben worden ist und dann weiter zum Mazabuka Spital, wo nochmal der Tod bestaetigt werden musste. Auf dem Gelaende ist auch ein Leichenschauhaus, in welches wir dann den Verstorbenen gebracht haben. In Also ich koennte mir vorstellen, dass in Deutschland nicht jeder dazu Zutritt hat. Hier sind wir erstmal alle hineinspaziert und haben den Toten abgelegt. War nicht so schoen darin. Hat mich eher an ein Schlachthaus erinnert...
Die Familie wurde im Anschluss daran nach Hause gefahren, wo sogleich die Trauerfeier begann und alles besprochen worde und ich habe 50kg Maismehl gekauft um es spaeter bei ihnen abzuliefern fuer die Feier. An naechsten Tag habe ich dann noch gemeinsam mit Clever Feuerholz organisiert, mich um den Sarg gekuemmert und der Familie Transportgeld fuer die Beerdigung, welche am Montag stattfinden sollte gegeben. Prinzipiell sollte eine solche Angelegeheit ja eher von Trauer begleitet sein, aber auf dem Grundstueck des Verstorbenen finden sich auch viele Leute ein, die auf ein guten Leichenschmaus warten und sich vieles zu erzaehlen haben.
Am 20. September waren hier Praesidentschaftswahlen, welche zum groessten Teil friedlich verlaufen sind. Nach 20 Jahren ist zum 1. Mal eine neue Partei (PF) an die Macht gekommen und Sambias neuer Praesident heisst Michael Chilufya Sata. Mal sehen was das so wird. Er moechte Wandel in 90 Tagen bringen und hat schon mal gut damit angefangen einige Ministerien zusammenzulegen, die Aufsichtsraete einiger staatlicher Behoerden fristlos zu kuendigen und Guy Scott, ein Weisser, zum Vize Praesidenten zu ernennen. Letzteres sage ich,w eil besorgte Stimmen gesagt haben, dass Sata doch ein Symphatisant Mugabes ist. Nun ja – Sympathisant heisst ja nicht gleich nachahmen...
Am 3. Oktober haben wir hier in Mazabuka den Tag der Deutschen Einheit gefeiert, mit einer „Deutschen Party“. Dort gab es deutsches Essen (Bockwuerste, Sauerkraut, Bautzener Senf, Apfelkuchen mit Vanillesauce und natuerlich ganz viel Bier), deutsche Musik (Die Aerzte, Wir sind Helden, Sportfreunde, Freundeskreis etc.), einen deutschen Dresscode (Schwarz, Rot, Gold) sowei Tischtennis :-) Traditionsgemaess haben wir natuerlich die Veranstaltung mit unserer Hymne gestartet (haben es allerdings nicht durchgehalten uns alles anzuhoeren). Die Frage, die man sich jetzt stellen kann: Sind die etwa zu guter letzt doch patriotisch geworden? Wohl er nicht. Aber da hier nicht so viel los ist, muss man natuerlich kreativ sein um sich die Zeit zu vertreiben. Ausserdem ist eine Freundin von meinem Kollegen Stefan an diesem Tag aus D gekommen und hat die Leckereien mitgebracht. Vielleicht keine Leckereien, wenn man in D ist, aber wenn man fuer lange Zeit sowas nicht gegessen hatt, schmeckt sogar Bockwurst und Sauerkraut aus der Dose richtig gut :D
Um dennoch mal etwas serioes zu werden, habe ich refelktiert was es fuer Gruende fuer mich gibt den Tag der Deutschen Einheit zu feiern, habe ich doch relativ wenig von der ehemaligen DDR und Trennung beider Teile mitbekommen. Die Antwort ist allerdings sehr sehr einfach. In meinen 26 Jahren habe ich super viele nette Leute aus Ost und West kennengelernt, habe gute Freunde aus Niedersachen, Bayern, Baden-Wuertemberg, NRW, Italien, Schweiz ... gefunden, die ich mit der Mauer wohl nie haette kenenlernen koennen und habe die Freiheit dorthin zu reisen, wo mich der Wind hintraegt – Ost, Nord, Sued, West und kann die exotischsten Dinge studieren, bei denen jeder 2. Fragt: „Und was macht man spaeter mal damit?“ ;-)
Viele Gruesse!
Kristin
Etwas zu quadratisch, aber seinen Zweck hat sie erfuellt...
Deutsche Kueche
v.l.n.r. Judy (Kenia), Marco (I), Basil (Zmb), Ayano (Japan), Namo (Zmb), Kiri (Japan), Kristin (D), Lucia (I), Robert (GB), Cosmo (Zmb), Peter (D), Barbara (AU), Victoria (Zmb), Luwendo (Zmb), Christina (D)



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