Sambia, die Dritte. Teil 1

Hallo Ihr Lieben,
Seit 7 Wochen bin ich nun wieder zurück in Sambia und ich dachte ihr freut euch über ein Lebenszeichen.
Da heute Montag ist, wundert ihr euch sicher woher ich die Zeit nehme einen Blogeintrag zu schreiben, aber der einfache Grund ist, dass heute (genauso wie morgen) ein nationaler Feiertag ist.
Meinen dritten Aufenthalt in Sambia verbringe ich hauptsächlich in der Südprovinz des Landes. Ich lebe und arbeite nun in Mazabuka, „the sweetest town of Zambia“, 2 Stunden südlich von der Hauptstadt. Ca. 130000 Menschen leben in Mazabuka und die Stadt bietet alles was man zum Leben braucht. Es gibt einen Supermarkt, viele kleine Krämerläden, eine italienische Bäckerei, die typischen Märkte, Tankstellen und vor allem Zucker. Zuckerrohrplanatagen über Zuckerrohrplantagen und das Werk welches den Zucker produziert, vepackt und vermarktet. Gerade im Mai und Juni werden die Überreste des Zuckerrohrs auf den Feldern abgebrannt, so dass es Asche regnet und man sich besser nicht im Freien aufhält wenn man nicht schwarz werden möchte. Wenn man Fisch mag ist man in Mazabuka auch richtig, da der Kafue Fluss durch Mazabuka fließt und an jeder Straßenecke frischer Fisch gekauft werden kann.
Tja – wie ist es mir die letzten Wochen so ergangen? Eigentlich ganz gut. Zurück zukommen war kein Highlight mehr für mich, es war eher als wäre ich nie weggewesen. Viele meiner Bekannten und Freunde sind immer noch in Sambia, ich weiß wo ich die Dinge, die ich suche finden kann und die sambische Mentalität ist mir auch nicht fremd. Auf Grund meines neuen Jobs bin ich sehr viel unterwegs, v.a. in der Südprovinz wo neue Straßen gebaut werden, so dass ich in der kurzen Zeit in der ich hier bin bereits ca. 2400km von Nord nach Süd, Ost nach West gefahren bin. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie manche Straßen nur von Menschenhand gebaut werden, soll heißen gar keine Maschinen sind im Spiel und ich habe großen Respekt vor der harten Arbeit, die die Frauen und Männer leisten, für gerade mal 2-3 Euro pro Tag.
Mal abgesehen, dass ich aus verschiedenen Gründen immer noch keine eigene Bleibe habe und bei Kollegen wohne, kann ich mich privat eigentlich nicht beklagen. Der neue Job stellt allerdings eine große Herausforderung für mich da und ich war schon einige Mal an dem Punkt angelangt an dem ich mich gefragt habe, warum ich eigentlich zurück gekommen bin oder frustriert war weil Dinge nur schleppend voran gehen, teilweise keine ersichtlichen Strukturen vorhanden sind mit denen ich arbeiten könnte und ich mich teilweise wie gelähmt fühle. Ein sehr guter Freund meinte zu mir „Dann mach deine eigenen Strukturen. This is Africa. Stay cool.“ Und prinzipiell hat er Recht. Entscheidungen werden nicht mehr von anderen für mich getroffen und wenn ich meinen Arbeitsplan erfüllen möchte, muss ich Eigeninitiative zeigen, kreativ sein und einfach Versuchen was geht und was nicht geht. Man möchte meinen, dass ich nach 2 Jahren Afrika hätte besser darauf vorbereitet sein sollen, aber vielleicht bin ich doch noch zu sehr von funktionierenden deutschen Strukturen beeinflusst. Zweifel ob es die richtige Entscheidung war wieder zurück zu kommen und ob ich in der Lage bin diesen Job zur Zufriedenheit meiner Partnerorganisation und meiner zu erledigen kommen mir immer wieder aber ich hoffe, dass sich das in den kommenden Monaten etwas legt, wenn ich mich vollständig eingearbeitet habe und mir ein Netzwerk von Partnern aufgebaut habe. Ein Zitat unseres Bundespräsidenten, was ich diesen Morgen bei der Lektüre von „Die Zeit“ gelesen habe lässt mich außerdem hoffen, dass ich nicht ganz auf dem falschen Weg bin: „Wenn man keine Selbstzweifel hat, wenn man sich nicht jedes Mal neu anstrengen will, besser zu werden, dann hat man aufgehört gut sein zu wollen.“
Was ich in den 2 Jahren Sambia definitiv nicht gelernt habe ist, meine Wäsche schnell mit der Hand zu waschen. Heute Morgen saß ich wieder 2 Stunden um meine Klamotten von dem ganzen Staub zu befreien und 2 weitere Stunden warten auf mich, für die Wäsche die gerade einweicht :-(
Ein anderer sehr guter Freund meinte, dass ich besser auf mich achten soll und die Konsequenz aus der Wäscheaktion ist, dass ich mir eine Waschmaschine anschaffen werde bzw. jemanden meine Wäsche zum waschen gebe, der das besser kann als ich ;-)
Zudem versuche ich mich gesund zu ernähren, nicht wieder in die Coca Cola-Sucht zu verfallen, ich trinke Yogitee , gehe zum Yoga, versuche mich im Salsa und wenn ich ab und zu mal in der Hauptstadt bin gönne ich mir auch mal eine Massage. Mein ehemaliger Mitbewohner Thomas denkt jetzt bestimmt: „Ich hab‘s ja schon immer gesagt, sie ist nen Müsli“ Aber Thomas, ich kann dich beruhigen, Thunfisch esse ich immer noch, Bier mag ich auch mein Kleiderschrank wird nicht von Leinenhosen und Baumwolle bestimmt :P

Zu guter letzt noch ein paar Geschichten:

Vor 2 Wochen war ich auf einer Art Kreistagsversammlung. Der Dresscode der Anwesenden war ganz interessant. Bürgermeister, sein Vize, der Verwaltungsleiter der Kommunalverwaltung und alle Leiter der verschiedenen Bezirke hatte eine rot blaue Robe an und die beiden erst genannten noch einen Hut auf, der mich an einen Kutscher aus dem Mittelalter erinnert hat. Alle anderen männlichen Anwesenden waren dazu verpflichtet eine Krawatte zu tragen. Der Mann der neben mir saß hatte keine drum, so dass er kurz vor Beginn den Saal verlassen musste und aufgefordert worden ist nur mit Krawatte zurückzukommen. Einem anderen Mann ist das Gleiche passiert. Ob die Krawatte zum Rest der Garderobe passt spielt dabei keine Rolle. Einer der beiden Männer ist mit einer krell-orange-gelben zurückgekehrt, die ich maximal zu einer Karnevalsveranstaltung empfehlen würde.

Der Liebesbrief
Nach 2 Jahren Sambia hätte ich nicht gedacht, dass ich noch einmal so überrascht werden könnte, denn folgendes ist passiert: Nachdem ich mich 5 Minuten mit dem Nachbarn unterhalten hatte und ihm mehr als deutlich gesagt habe, dass ich ihm meine Telefonnummer nicht gebe, reicht er mir eine Woche später ein Gedicht, welches sich als Liebesbrief entpuppt mit Sätzen wie:“Ich hatte schon mal eine weiße Freundin aus den USA, aber wir haben uns getrennt“, „Ich möchte dich bis ans Ende meiner Tage jeden Tag sehen“ oder Ich bin ein echter traditioneller sambischer Mann“ (was soviel heißt ich habe mindestens 2 Frauen gleichzeitig am Start). Nach deutschen Verständnis also super peinlich. Natürlich habe ich mich nicht dazu geäußert, was dazu führte das der Typ mich eines Tages in meinem Büro aufgesucht hat. Die Nummer, die er dort aufgeführt hat, hat die Peinlichkeit seines Briefes noch unterstrichen (er war den Tränen nahe) und nachdem er nach langen Erklären immer noch nicht kapiert hat, dass ich kein Interesse habe, auch nicht ihm meine Telefonnummer zu geben, musste ich ihn bitten mein Büro zu verlassen worauf er mich nach weitern 2 Minuten gebeten hat. Seit dem hab ich nichts wieder von ihm gehört oder gesehen, ich hoffe das bleibt auch so!

Viele Grüße,
Kristin

Kommentare

  1. Hey Kristin,
    schön mal wieder von dir zu hören und dass es dir anscheinend ganz gut geht!
    aber das mit der angst vor der Cola-sucht versteh ich nicht so richtig...:-)
    naja, ich hoffe, du passt wirklich gut auf dich auf und machst dir selber nicht allzu großen Druck!

    ganz liebe Grüße und ich hoffe auf mehr beiträge :-)

    die Jule aus dem heut verregneten görlitz

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  2. Hi Kristin,

    ich genieß es deinen Blog zu lesen! Ich finde toll, dass Du mit Leidenschaft bei deiner Arbeit bist!

    Liebe Grüße, Francis

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  3. Hi Kristin,
    freut mich riesig wieder was aus dem spannenden Afrika zu hoeren und vor allem dann so positive Nachrichten.
    Lass dich da unten nicht unterkriegen und glaub immer an dich selbst...
    Ganz liebe Gruesse aus dem verregneten Dublin.
    Tanja

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  4. Hier fehlt der Ilike Button!
    Liebste Grüße
    Isabelle

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  5. Kannst du mir helfen meine Freunde in Zambia wieder zu finden?

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