Sambia's Schulsystem

„Klugheit ist Reichtum“, „Benutzt du deinen Reichtum geht er zu Ende, benutzt du dein Wissen, vermehrt er sich“. Diese beiden Sprichwörter aus Ostafrika betonen die Notwendigkeit des Lernens und der Bildung um etwas im Leben zu erreichen und in Wohlstand leben zu können. Die Basis dazu wird in den Schulen gelegt. Ich denke, ihr stimmt mir zu, dass eine gute Schulbildung entscheidend ist um aktiv an dem gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sich für seine Rechte einzusetzen und unseren weiteren Lebensweg zu gestalten. Möglichkeiten ein Schul- bzw. Bildungssystem zu gestalten gibt es viele. Um das festzustellen müssen wir nicht mal in ein anderes Land schauen, sondern können getrost unseren Blick in ein anderes der Bundesländer Deutschlands werfen. Das föderale System macht es möglich. Wer von euch trotzdem Interesse daran hat wie das sambische Bildungssystem in seinen Grundzügen aussieht, möge weiterlesen, da ich den heutigen Blogeintrag diesem widmen möchte.
Den Eintritt in das sambische Bildungssystem starten manche Kinder im Alter von drei Jahren. Ab diesem Alter haben Eltern die Möglichkeit ihr Kind in die sogenannte „Preschool“ – Vorschule- zu schicken. Danach gliedert sich das Schulsystem in die „Primary Schools“ (bis Klasse 7) und die „Secondary Schools“ (Klasse 8-12). Am Ende der siebenten Klasse müssen die Schüler an Prüfungen teilnehmen, welche von der Regierung gestellt werden. Nur wer diese Prüfungen besteht, hat die Möglichkeit die Secondary School zu besuchen. Doch nicht die Prüfungen allein können ein Hindernis darstellen um weiterhin die Schule zu besuchen, sondern auch die finanzielle Situation der Familie, da ab der achten Klasse Schulgebühren erhoben werden. Von diesen Schulgebühren werden die Unterhaltskosten der Schule sowie Bücher und Lehrmittel bezahlt. Die Lehrergehälter zahlt die Regierung, Hefte und Stifte für die Schüler zahlen die Eltern zuzüglich zu deren Schuluniformen, welche obligatorisch sind. Die Höhe der Schulgebühren und die Vereinbarung über die Schuluniform werden vom „Management Komitee“ der Schule festgesetzt.
Der Besuch der ersten bis siebenten Klasse ist gebührenfrei, wenn man von den Kosten für Schuluniformen, Hefte und Stifte absieht. Diese können allerdings schon ein beträchtliches Hindernis für Eltern darstellen, so dass es nicht selten ist, dass Eltern ihre Kinder gar nicht zur Schule schicken bzw. im höheren Alter einschulen, da sie dann erst das Geld haben um diese Dinge zu finanzieren. So ist es nicht selten, dass in einer ersten Klasse Kinder von sieben bis 12 nebeneinander das Alphabet und die Grundrechenarten lernen.
In dem Dokument „Schulen statt Bildung“ der Kindernothilfe habe ich folgende Daten zum Schulbesuch in Sambia gefunden: „31% der Kinder im Grundschulalter besuchen keine Schule, davon sind 65% Mädchen. In den ländlichen Regionen gehen 38% der Kinder nicht zur Schule, in städtischen Gebieten 19%. Es können nicht alle Bewerber eingeschult werden. 1996 wurden in Lusaka 20753 abgewiesen und nur 17000 Erstklässler aufgenommen. Also auch Eltern die ihre Kinder zu Schule schicken könnten, finden keinen Platz für ihre Kinder.“ Auch wenn diese Daten bereits 13 Jahre alt sind spiegeln sie noch immer ein recht aktuelles Bild des sambischen Schulsystems wieder. Es gibt nach wie vor nicht genügend Schulen, eine unzureichende Schuleinrichtung sowie einen Lehrermangel. Dieser resultiert daraus, dass die südlichen Nachbarländer, insbesondere Südafrika, Lehrer anwerben und sehr viel bessere Bedingungen bieten als Sambia.
Neben der Sprache der jeweiligen Provinz, z.B. Bemba, Tonga etc. ist die offizielle Unterrichtssprache Englisch.
Es gibt verschiedene Arten von Schulen. Man unterscheidet die öffentlichen Schulen unter der Aufsicht der Regierung, Schulen unter der Führung der Kirche, private Schulen, private religiöse Schulen, z.B. jüdische oder islamische Schulen sowie die sogenannten „Community Schools“.
Community Schools sind Schulen, die meist von der Gemeinde gegründet werden, d.h. engagierten Eltern oder Lehrern, um zum einen dem Engpass an Schulen zu begegnen und zum anderen eine Möglichkeit trotz fehlender finanzieller Mittel den Kindern doch eine Grundbildung zu ermöglichen. Es gibt keine oder nur geringe Schulgebühren und keine Uniform-Pflicht. Vorwiegend sozial benachteiligte Kinder im Alter von 9-13 Jahren, die die Schule abgebrochen haben oder noch nie in der Schule gewesen sind, nutzen ihre Chance in den Community Schools. Die Lehrer in diesen Schulen sind hauptsächlich ehrenamtlich tätig oder erhalten nur ein geringes Gehalt und können mit den deutschen Referendariaten verglichen werden. D.h. sie haben noch keinen von der Regierung anerkannten Abschluss, sondern sammeln noch praktische Erfahrungen, nach der theoretischen Ausbildung an den Colleges oder Universitäten. Diese können übrigens mit dem erfolgreichen Abschluss der 12. Klasse besucht werden. In Sambia gibt es zwei anerkannte Universitäten. Die „Copperbelt University“ und die „Zambia State University“.
1998 wurden die Community Schools vom sambischen Bildungsministerium offiziell anerkannt.
Das Schuljahr beginnt im Januar und endet im Dezember. Es ist in drei Semester untergliedert, zwischen welchen jeweils 4 Wochen Ferien liegen. D.h. es gibt ungefähr 40 Schulwochen pro Jahr.
Vor zwei Wochen habe ich eine Community School in Chipata besucht und mir einen Tag lang angeschaut wie der Schulalltag von Schülern der Klassen 1-7 aussieht. Die Schule, welche sich im Stadtteil „Magazine“ befindet wird von einer italienischen NGO unterstützt und hat sieben angestellte Lehrer sowie einen Direktor. Insgesamt werden 168 Schüler unterrichtet. Es gibt zwei erste Klassen, eine dritte, eine fünfte, eine sechste und eine siebente Klasse. Die Schüler der vierten Klasse wurden mit denen der fünften zusammengelegt, da ihre Lernergebnisse vergleichbar mit denen der Schüler der fünften Klasse waren. Die Schule besteht aus 4 Klassenräumen, so dass am Vormittag die eine Hälfte der Schüler unterrichtet wird und am Nachmittag die andere. Um acht Uhr beginnt der Unterricht, wobei einige Schüler bereits um sieben da sein müssen um Wasser zu holen, da kein fließendes vorhanden ist. Die Kinder, die hier hauptsächlich zur Schule gehen sind Waisen oder Halbwaisen. Ab der zweiten Klasse tragen die Schüler Uniformen, welche von der Schule finanziert werden. Jedes Kind erhält eine Mahlzeit pro Schultag, welche im Wechsel von den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten zubereitet wird (immer Frauen). Das Essen was es täglich gibt ist „Sampo“ – ein Brei, der aus getrockneten Maiskörnern, Wasser, Zucker (und Milch) zubereitet wird. Vom Geschmack her ist er mit Milchreis vergleichbar. Der Mais wird ebenfalls von der Schule zur Verfügung gestellt. Teller und Löffel müssen von jedem Kind mitgebracht werden. Wasser steht den Kindern ebenfalls zum Trinken zur Verfügung. Für viele Kinder ist dies die einzige Mahlzeit pro Tag.
Der klassische sambische Unterricht ist Frontalunterricht, d.h. der Lehrer sagt etwas und die Kinder sagen es nach. V.a. die Begrüßung gleicht einem Sprechchor, der mich sehr an meine eigene Grundschulzeit erinnert hat.
Einige der Kinder werden nach dem erfolgreichen Abschluss der siebenten Klasse weiterhin von der Schule unterstützt und können die Secondary School besuchen. Als Gegenleistung müssen sie der Schule etwas zurückgeben. Je nach Klassenstufe kann es sein, dass sie beim Schälen der Groundnuts (Erdnüsse) helfen müssen, ein paar Zweige Feuerholz oder Kohle bringen müssen etc.
Ich hoffe ihr habt einen kleinen Eindruck vom sambischen Schulsystem gewinnen können!? Unten wie immer ein paar Bilder. Diese sind von der Community School, die ich besucht habe.
An dieser Stelle möchte ich euch allen ein frohes Osterfest und einen fleißigen Osterhasen wünschen. Ich habe gehört, dass der Frühling Einzug hält und das perfekte Biergartenwetter beginnt. Viel Freude also mit den ersten warmen Sonnenstrahlen! Hier wird es langsam kalt. Die Temperaturen erinnern an den deutschen Altweibersommer und Frühherbst. Die Nächte sind kalt und ohne Wolldecke gehe ich nicht mehr zu Bett. Vergangene Woche habe ich 72 Decken gekauft um sie an die Frauen, die mit ihren Kindern in die Community Center kommen, zu verteilen. Reicht zwar nicht für alle, aber ein Großteil kann doch „versorgt“ werden.

Liebe Grüße aus Chipata!

Kristin


Ungeduldiges Warten in der Essensschlange


Im Klassenraum

Kommentare

  1. Sehr interessant!! Kann man sich hier kaum vorstellen...
    Wie haben denn die Kinder auf dich als Beobachterin ihres Schultages reagiert?
    GLG, Anni

    AntwortenLöschen
  2. Die Kinder sind an Weiße gewöhnt, da immer wieder Freiwillige aus Italien einige Monate an der Schule verbringen. Einige Klassen haben aber ein Lied für mich gesungen oder ein Gedicht aufgesagt. :-) Sehr süß...

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts